Der
Mond hatte sich schon lange verabschiedet und die Sonne ihren Platz
eingenommen, als sich Susanne, aus dem Szene-Club in der Berliner
Innenstadt auf den Heimweg machte.
Wäre es nach ihr gegangen, hätte sie noch fünf Stunden
weitertanzen können. Zum fit und wach bleiben gitbt es schließlich
Energy Drinks. Ob es tatsächlich die Getränke in den bunten
Dosen sind, oder einfach ihre gute Laune, die sie so lange durchhalten
läßt, interessiert Susanne herzlich wenig. Wenn die Energy
Drinks möglicherweise doch nichts bringen, verhelfen sie wenigsterns
zu einem coolen Eindruck, und das ist schließlich nicht weniger
wichtig in der "Szene".
Immer neue
Drinks erobern den Markt
Seit "Red Bull" als Pionier unter den Energy Drinks
1994 den deutschen Markt eroberte, versprechen immer neue Dosen,
Flaschen und Tuben mit immer skurrileren Namen und Geschmäckern,
die Müdigieit von den Körpern ihrer Anhänger fernzuhalten.
Die Nürnberger Firma Trendworx etwa setzt mit "Purdeys"
auf natürliche Pflanzenextrakte während der bekannte
Süßwarenhersteller Mars bei seinem gleichnamigen Energie-Getränk
- wen wundert´s - auf Schoko-Geschmack baut. Der Phantasie
der Produktdesigner sind ofenbar keine Grenzen gesetzt (siehe
das Interview mit Getränke-Experte Jan Fischer rechts). Waren
es anfangs noch - wie Susanne - Leute aus der Techno-Szene, die
sich bevorzugt der flüssigen Energie bedienten, so greifen
heute selbst abgeschlaffte Manager gerne auf die Getränke
mit dem Kultstatus zurück. Besonders beliebt bei dieser Klientel
ist der neueste Trend aus den Staaten: "Water Joe"-Quellwasser
ohne Kohlensäure mit dem Koffeingehalt einer Tasse Filterkaffee.
Was ist wirklich
drin?
So wie bei "Water Joe" bauen die meisten Hersteller
auf die anregende Wirkung von Koffein. Die Dosierung ist in der
Regel zwar weitaus höher als in Cola-Getränken, aber
nur halb so hoch wie in Kaffee. Energie-Wunder sind davon nicht
zu erwarten. Weitere beliebte und harmlose Muntermacher sind Taurin
und Guarana. Letzteres ist ein uraltes Genußmittel aus Lateinamerika,
dessen Dosierung in den Getränken aber so gering ist, daß
eine spürbare Wirkung nahezu ausgeschlossen ist. Taurin ist
ohnehin mit etwa 80 Gramm von Natur aus im menschlichen Körper
vorhanden, egal ob mit oder ohne Energy-Drinks. Weitaus umstrittener
sind dagegen die Wirkstoffe Niacin und Pyridoxin. Beide gelten
unter Experten bei hoher Konzentration in Getränken als bedenklich,
so daß viele Hersteller auch bereits Abstand von der Verwendung
genommen haben. Insgesamtläßt sich feststellen, daß
Energy Drinks in vielen Fällen zwar eine nachweisliche Wirkung
haben, aber lange nicht das halten, was sie versprechen.
Anm:
Ausführliche Infos zu den Inhaltstoffen gibt es unter: http://energy.pulse.de/inhalt.html
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Auf´s
Outfit kommt es an
Doch wenn sie weder schaden noch viel bringen, warum verkaufen sie
sich dann wie Winterreifen nach dem ersten Schneefall? Ganz klar,
weil sie cool sind! Es ist doch einleuchtend, daß eine blaue
Handgranate (Bomba energia) oder eine Putzmittel-Flasche (Fizzy
Lizzy) in der Hand mehr hermacht als ein langweiliges Glas mit Limonade.
Das Geheimnis der Energy Drinks liegt nicht im Inhalt, sondern im
Outfit. Sie müssen nicht einmal besonders gut schmecken, sondern
außergewöhnlich und unvergleichbar sein, damit sie gut
ankommen. Wer es nicht begreift, der gehört wohl zu denen,
die Susanne in "ihrer" Disco gar nicht so gerne sieht.
Interview
Energy Drinks leben vom Trendbewußtsein der jungen Generation.
Ohne die Nachfrage in den Clubs und Discotheken hätten die
bunten "Energizer" bald ausgedient. Über die Zukunftschancen
der Powergetränke sprach AlRtime mit Jan Fischer, Inhaber
der Firma Fischer Drinks in Bamberg, die sich auf den Vertrieb
von Trendprodukten spezialisiert hat.
AlRtime:
Die meisten Energy Drinks halten sich nur kurze Zeit auf dem Markt,
bis sie von neuen abgelöst werden. Ist dies ein Zeichen mangelnder
Qualität?
Jan Fischer: Nein, denn Energy Drinks sind wie alle Trendgetränke
nicht langfristig angelegt. Die jungen Leute wollen immer wieder
etwas Neues ausprobieren.
AlRtime: Was ändert sich denn an den Getränken?
Jan Fischer: Am Inhalt wenig, meist der Geschmack, die
Farbe oder auch nur die Flaschen- bzw. Dosenform. Aber das reicht.
AlRtime: Heißt das, den Käufern geht
es gar nicht darum, was drin ist?
Jan Fischer: Ja und nein. Wichtig ist eine Verpackung,
die cool ist und neugierig macht. Natürlich will man in einer
langen Party-Nacht auch Energie tanken. Dazu eignet sich ein kühles
Getränk auf jeden Fall besser als eine Tasse heißer
Kaffee.
AlRtime: Und wie lange werden Energy Drinks noch
Abnehmer finden?
Jan Fischer: Solange den Produktdesignern etwas Neues einfällt.
Diese Produkte schaffen sich ihre Nachfrage. Allerdings wird die
Konkurenz durch andere Trendgetränke immer größer.
AlRtime: Welche Getränke meinen Sie damit?
Jan Fischer: Kurz nach den Energy Drinks kamen Import-Biere
wie Miller oder Corona groß raus. Mittlerweile ziehen auch
Produkte, die es seit vielen Jahren gibt und denen man nun ein
neues Outfit gegeben hat, wieder. Denken Sie nur an die gute,
alte Afri-Cola, die lange Zeit keine Chance gegen Coca-Cola und
Pepsi hatte, aber heute in den Szene-Clubs der Renner ist. Egal
ob Energy Drinks, Bier oder Cola: Trendbewußte Leute wollen
das Besondere.
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